Adoptionen: zwei Seiten einer Medaille

Heute hat mir die Dame geschrieben, die unser Pferd Sirius bei sich in Frankreich aufgenommen hat.
Die Menschen sind verschieden. Das scheint uns allen selbstverständlich, doch manchmal wird in bestimmten Situationen deutlich, wie sehr verschieden sie sein können.

Hierzu die Geschichten von zwei Adoptionen.
Beide erfolgten im gleichen Jahr. Beide Pferde hatten das gleiche Alter. Beide Familien, die sie aufnahmen, waren kultiviert, gebildet und hatten das Geld zur Unterhaltung von und Erfahrungen mit Pferden. In dem einen Fall wurde der Hengst Sirius adoptiert, in dem anderen die Stute Música.

Sirius war einäugig, n BLOG 20160415 1icht kastriert und zum damaligen Zeitpunkt potthässlich. Das sage ich trotz meiner Zuneigung zu ihm, denn über offensichtliche Eigenschaften sollte man nicht diskutieren. Sirius‘ Charakter war durch seinen Vorbesitzer verbogen worden – Gott lasse ihn dafür in der Hölle braten – er war so misstrauisch, dass wir ihn mit dem Lasso einfangen mussten. Luciano schaffte es, weder die beiden Veterinäre der OCA, noch die beiden Polizisten von SEPRONA, noch die Veterinärin oder ich konnten ihn bändigen, wir konnten uns ihm nicht einmal nähern.

Dagegen war Música eine entzückende Stute, äusserst gutmütig gegenüber allen und jedem.

Vor drei Wochen bekam ich Post von beiden Familien, sie hätten Schwierigkeiten, die Pferde weiter zu unterhalten. Nach so vielen Jahren war das eine seltsame Koinzidenz, denn die Familien kennen sich nicht und befanden sich überdies in verschiedenen Ländern – Sirius in Frankreich, Música in Andalusien. Nach dieser ersten Meldung aber erhielt ich weitere Nachrichten, die beide Fälle mehr und mehr voneinander absetzten.

BLOG 20160415 2Música wurde uns vor zwei Wochen zurückgegeben, die Kosten für den Rücktransport schob die Familie uns zu. Sie hatte von dem inspizierenden Tierarzt erfahren, dass Músicas Sehnen so stark verletzt waren, dass sie sich nie wieder ganz davon erholen würde. Die Familie entledigte sich des Pferdes daraufhin wie eines wertlosen Möbels, obwohl Música während vieler Jahre der kleinen Tochter der Familie treu und ohne jeden Zwischenfall gedient hatte. Das erstaunlichste war, dass die Verletzung schon im Dezember passiert war, die Leute es aber nicht für nötig gehalten hatten, einen Tierarzt zu rufen. Vielleicht hätte man sonst das Schlimmste verhindern können.

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Die Familie von Sirius dagegen hat die Natur des Problems offengelegt: Sirius habe seinen Pferdegefährten verloren, und sie hätten nun Angst, dass wir ihnen das Tier entsprechend den Klauseln im Übernahmevertrag und den europäischen Vorschriften, nach dem ein Pferd immer in Gesellschaft anderer Pferde leben muss, wegnehmen würden. Natürlich habe ich ihnen geschrieben, dass ich der Familie voll vertraute und sicher sei, dass sie einen Weg finden würden, um sein Wohlergehen zu sichern. Ich könnte niemals jemandem ein Pferd wegnehmen, der uns so oft Nachrichten über das Tier schickt und notfalls zu lügen bereit ist, um „sein Baby“, wie sie Sirius nennen (obwohl das ganz sicher ein unpassender Name für ihn ist), nicht weggeben zu müssen.

Wie das Leben so spielt …. und wie verschieden wir uns verhalten !

Musica, Du tust mir so leid ! Guck nicht jedes Mal zur Tür, wenn die ein Geräusch macht, Deine von Dir so geliebte kleine Herrin wird nicht mehr hereinkommen. Aber ich schwöre Dir, dass wir von CYD Dich lieben, uns um Deine Gesundheit kümmern, für Dich sorgen und Dich respektieren werden, egal, wieviel Geld wir gerade haben. Und ich schwöre, dass uns nur der Tod scheiden wird. Für uns sind nicht Deine Sehnen das Wichtigste, sondern Deine Seele. Und für uns wirst Du immer das hübscheste und perfekteste Stutfohlen auf der ganzen Welt sein.

concordia cyd