Concordia Márquez, Präsidentin von CYD Santa María, zum Betrieb von Pferdekutschen für Touristen in grossen Städten.

Einerseits: Eine der Personen, die ich am meisten schätze und bewundere, betreibt Fahrsport mit Gespannen und ist für seine Kunst in ganz Spanien bekannt.

Trabas-en-la-parada-de-Málaga-300x225Andererseits: ich habe in meinem Leben schon mehrfach den schlechten Zustand von Kutschpferden zur Anzeige gebracht.

Mit einem scharfen Messer kann man Butter auf ein Toastbrot streichen und dabei das Brot kaum berühren. In den Händen von jemand anders kann es tödlich sein.

Die grossen Städte in den andalusischen Provinzen und anderswo sind heute mit ihren Asphaltstrassen leider nicht mehr auf Kutschwagen eingerichtet, auch dann nicht, wenn die Pferde gut gepflegt sind. Die Standplätze der Kutschen richten sich nicht nach den Bedürfnissen der Pferde, sondern nach denen des Verkehrs. Die Nachtquartiere der Pferde sind wegen der räumlichen Ausdehnung der Städte immer weiter von den Standplätzen entfernt. Manchmal ist das, was wir nicht sehen, schlimmer als das, was wir sehen: fragt jemand zum Beispiel danach, wo die Pferde schlafen und wie weit sie dafür laufen müssen ?
Vorrichtungen an den Hufen gegen das Ausrutschen („ramplones“ oder „vidrias“) sollten nur in bestimmten Situationen und nicht dauernd verwendet werden, denn sie beeinflussen das Gleichgewicht der Pferde (stellen Sie sich vor, Sie müssten den ganzen Tag mit Stöckelschuhen herumlaufen !), doch das ist wegen der Entfernungen und der Fahrbahnen, auf denen sie laufen, fast unmöglich durchzusetzen.
Egal wie gut die Pferde gepflegt werden, diese Probleme lassen sich nicht aus der Welt schaffen, doch…

die Schuld hat immer die Stadtverwaltung !

Diese Institution – anscheinend ausschliesslich zur Belästigung der Pferde geschaffen – stellt Lizenzen zum Betrieb von Kutschen aus, schreibt Regeln für deren Betrieb vor und kassiert dafür Geld – mehr tut sie nicht und damit hat es sich.

Coche-de-caballos-2-300x225Nehmen wir als praktisches Beispiel die Kutscher von Marbella, zu denen ich über ihren Präsidenten gute Beziehungen unterhalte – er hat uns mehrfach bei Streitigkeiten um die städtischen Vorschriften um Hilfe gebeten:
Vor einigen Jahren versuchten wir die Stadtverwaltung dazu zu bewegen, die Kutschpferde im Schatten der Strassenbäume anhalten bzw. warten zu lassen, ihnen einen geeigneten Platz zur Übernachtung zur Verfügung zu stellen und sowohl die Zahl der Arbeitsstunden der Tiere als auch ihr Wohlbefinden zu überwachen. Wir haben der Stadt sogar angeboten, Kutschen und Pferde unentgeltlich periodisch zu inspizieren, im Interesse der Tiere, aber auch des allgemeinen Eindrucks wegen, den sie auf die Touristen machen. Erwartungsgemäss wurde daraus nichts. Sie wollten uns noch nicht mal gratis.

Eine Stadtverwaltung, die etwas auf sich hält, müsste:
1. beschattete Standplätze einrichten,
2. die Standplätze mit fliessendem Wasser versehen,
3. dafür sorgen, dass die Standplätze eben sind, ohne Löcher und Vertiefungen, diese bringen die Pferde aus dem Gleichgewicht,
4. die Arbeitszeiten und den Zustand der Tiere überwachen,
5. Übernachtungsplätze in der Nähe der Standplätze schaffen, die überdacht sind und Wasser und Strom aufweisen, sowie einen Auslauf haben, in dem sich die Tiere freier bewegen können,
6. die von der Verwaltung selbst erlassenen Vorschriften einhalten, nämlich Verstösse gegen die Richtlinien zur Haltung der Tiere und der Anspannung ahnden.

Ein Gespannfahrer / Kutscher, der etwas auf sich hält, sollte:
1. sein Pferd für die ihm zugemutete Arbeit in guten physischen und psychischen Zustand versetzen und darin erhalten,
2. das Pferd niemals schlagen,
3. keine verbotenen oder schlecht angepasste oder unnötige Mundstücke verwenden,
4. an die Pferde angepasste Geschirre, keine Standardgeschirre, verwenden,
5. das Tier in der heissen Jahreszeit abkühlen und es in der kalten Jahreszeit warm halten,
6. niemals mit einem verletzten oder lahmen oder auf andere Weise behinderten Pferd arbeiten.

Alles was von obigem abweicht, kommt einer Misshandlung des Tieres gleich und ist inzwischen strafbar – sie mögen es drehen wie sie wollen.

CFsCU6PWEAAkOp9-245x300„Wer einen Blick wie diesen nicht zu deuten versteht, dem helfen auch weitere Erklärungen nicht.“

Wer Abweichungen von den oben genannten Grundsätzen beobachtet, sollte diese zur Anzeige bringen. Wenn wir dies nicht tun, sind wir genauso schuldig wie der Kutscher, der Misshandlung zulässt oder die Stadtverwaltung, die sie hinnimmt.

Aber an wen sollten wir uns mit einer Anzeige wenden ?
Das ist ein echtes Problem, denn so eine Anzeige läuft ja normalerweise über die Stadtverwaltung oder deren lokale Polizei (und da stossen wir à la Sancho Pansa mit der Obrigkeit zusammen). Ich selbst würde SEPRONA (den Naturschutzdienst der Guardia Civil) anrufen, obwohl so eine Angelegenheit nicht zu ihren Aufgaben zählt. Aber ich würde noch etwas anderes machen: wusstet Ihr, dass man auch die Nummer 112 anrufen kann, vorausgesetzt, dass die Misshandlung zum Zeitpunkt des Anrufs fortbesteht ?
Das ist ein interessanter Weg ! Die Leute von 112 koordinieren nämlich die diversen polizeilichen Dienststellen, die Anzeige wird amtlich protokolliert, und ausserdem müssen sie aufschreiben, was sie in der Angelegenheit unternommen haben.

Doch jeder soll tun, was ihm richtig erscheint…
Was ich hier sage, ist meine eigene bescheidene Meinung…

Concordia Márquez

CyD Santa Maria

La Asociacion CYD Santa Maria se ocupa de la recuperacion y reubicacion de especies animales maltratadas, en especial caballos