Dies ist keine gewöhnliche Geschichte

Ich wollte diesen Blog “Noch eine Geschichte” nennen, doch passte der Titel irgendwie nicht. Bei CYD haben wir hunderte von anrührenden Geschichten erlebt, hunderte von Wundern, die die Ansicht über die Welt radikal ändern. Dies hier ist etwas Besonderes …

Pepito ist ein Dobermann, den sie mir halbtot anbrachten. Nach unzähligen Blutungen, totalem Haarausfall, am Rand der Erblindung und nach einer Zahl von Veterinärbesuchen, die oft unser Budget bei CYD zum Zerreissen anspannten, nach Dutzenden von Behandlungen fing er sich. Er wurde das Lieblingstier von grossen und kleinen Menschen und sogar der anderen Tiere. Niemand, die Pferde eingeschlossen, konnte Pepito ein Leid antun. Er wurde – mit seiner Leishmaniose im Knochenmark, seinem Bulbärhirnsyndrom,. seiner caninen Anaplasmose, Koordinationsstörungen, Nieren- und Leberversagen, vor allem aber mit seiner LEBENSFREUDE – mein Freund und mein Schatten.
Whittey con tumorWhittey war ein Kätzchen von vielen, das wegen seines Hautkrebses niemand haben wollte. Wir amputierten ihm ein Ohr, dann das zweite. Und die Natur schickte uns dazu noch einen Tumor, zwei Mal so gross wie sein Kopf, der ihm die Aorta und die Halsschlagader einschnürte. Unser Schutzengel in England besorgte das Geld für die Operation. Und das Leben hellte sich für uns alle wieder auf.

Doch Pepito und Whittey brachen beide am gleichen Tag, am 2. November, zusammen.
Meine Schwester und ich auch – und unserer Veterinär. Seit 13 Tagen komme ich nicht aus dem Haus. Meine Schwester weiss nicht, wo ihr der Kopf steht.

Bis hier ist dies eine Geschichte, wie wir sie in CYD unzählige Male erlebt haben, doch hier ist der Unterschied:
Der Tierarzt war 10 Tage lang nachmittags und nachts bei uns, mehrmals unterdrückte er Tränen. Der beste Krebschirurg Andalusiens rief mich an einem Samstag an, wegen einer neuen Behandlung, die ihm über Nacht eingefallen war. Unsere übrigen Tiere waren bei Tag und Nacht respektvoll still…
Whittey und Pepito sehen sich anWhittey lief, bevor er operiert wurde, staksend mit seiner Geschwulst beladen herum und legte seinen Kopf neben Pepito, um diesem sein Leiden zu erleichtern, obwohl er selbst schlimme Schmerzen hatte. Das, liebe Leute, sieht man nicht jeden Tag, das ist keine Geschichte von vielen.

Whittey und Pepito nebeneinander

 

 

 

 

 

Viele werden uns fragen, warum wir solche Tiere nicht töten. Jawohl, töten, lassen wir die Euphemismen -“einschläfern” etc. – beiseite, die sollen doch nur unser Gewissen beruhigen.

Unsere Antwort darauf: das machen wir einfach nicht. Bei CYD muss man sich für einen Besuch anmelden und auch der Tod kommt nicht so leicht bei uns herein.
Wir verabschieden uns erst von unseren Tieren, wenn sie das selbst wollen. Für sie ist in solchen Momenten unsere volle Zuwendung das grösste Geschenk, das wir ihnen machen können. Zuwendung ist nicht nur die Pflicht jedes Tierschützers, sondern eine Ehre, wie sie wenigen zuteil wird. Unser Leib und unsere Seele mögen erschöpft sein, unser Herz aber geht trotz des Schmerzes aus solchen Situationen gestärkt hervor.

Hier seht Ihr beide neben mir, während ich diese Zeilen schreibe. Welch ein Glück ! Und hier werden sie bleiben und wenn es nur noch Sekunden, Minuten oder Stunden sein sollten, das ist ganz gleich ! Jede Sekunde, die man mit jemandem verbringt, den man liebt, ist wie eine Ewigkeit.
Dieser Blog soll den Leser ermutigen, dies zu leben. Bitte versäumt nicht eine Sekunde an der Seite derer, die Ihr liebt – egal welcher Spezies – , wenn sie gesund sind, aber besonders, wenn sie krank sind.

concordia cyd