Die Effektivitätsfalle, 2. Teil: Die Herberge

Die Herberge des CYD Santa María verfügt über eine Fläche von 35.000 Quadratmetern, die voll den Tieren zur Verfügung steht, es ist allerdings ein hügeliges und schwieriges Gelände.

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Mit der Herberge sind zwei Namen verbunden: Luciano da Silva und meine Wenigkeit, Concordia – und natürlich die 150 Tiere, die in der Herberge wohnen. Ohne diese beiden Personen wäre mit der  Herberge Schluss.
Wir verfügen über exakt 11 freiwillige Helfer. Das ist alles.

BLOG 20160721 3Diese Volontäre kommen einen Nachmittag oder einen Vormittag in der Woche, wenn sie können. Einer von ihnen kommt zweimal in der Woche. Im Sommer helfen uns drei oder vier Freiwillige, die inzwischen zu Freundinnen geworden sind: sie sind aus der Schweiz, Deutschland und den Niederlanden und bleiben einige Wochen, doch in dieser kurzen Zeit und bei der grossen Hitze im Sommer ist ihr Wirken begrenzt.
Luciano bereitet dreimal am Tag die Essensrationen für jedes Pferd zu, je nach dessen jeweiligem Zustand, auch die von einer Anzahl Katzen und Vögeln, er reinigt und füllt die Tränken auf, bewegt die Tiere zwischen Boxen und Paddocks, verabreicht die täglichen Medikamente, säubert die Ställe, überwacht die Arbeit der Freiwilligen, lädt Säcke, Palets und Ballen Heu, Alfalfa und Stroh ab, repariert die Zäune auf den 35.000 m2, überwacht ununterbrochen die kranken Tiere, richtet die Bewässerungsringe für die Bäume, bewässert und pflegt Dreiviertel der mehr als 300 Schattenbäume in der Herberge. Er repariert die durch den glitschigen Boden verursachten häufigen Erdrutsche, behebt Pannen bei Elektrizität, Wasser und Druckpumpen, und nebenbei läuft er noch drei oder viel Mal am Tag den steilen Weg zum Tor hinauf zu Besuchern, die die Herberge und ihre Tiere sehen wollen.
Er legt am Tag um die 15 Kilometer zurück – manchmal noch mehr, nämlich dann, wenn er mich bei einer Rettungsaktion oder einem Notfall begleiten, die Herberge abschliessen und Tiere per Lasso einfangen muss, damit sie nicht an uns auslassen, was ihnen ihre Vorbesitzer angetan haben.

Ich meinerseits kümmere mich um 4 Pferde, alle Kleintiere (nicht gerechnet die 3 Hunde, 5 Katzen, 2 Schildkröten und 15 Vögeln, die ich meinen Eltern und meiner Schwester aufgedrückt habe); um die Inspektionen bei Misshandlungen, die Beweis BLOG 20160721 2mittel, die Strafanzeigen, Gerichtsverfahren, Rettungsaktionen, die physische und psychische Rehabilitation der Tiere in schlechtem Zustand, den täglichen Einkauf, die Inspektionen bei den Übernehmern von Pferden vor und nach der Übernahme; um Hilfeersuchen von ausserhalb; um die Tierärzte bei der Einschläferung von Tieren im Zusammenhang mit Verkehrsunfällen, ihrer Aussetzung oder wenn sie mit gebrochenen Knochen hilflos herumliegen; um die Unterstützung in Rechtsfragen anderer Vereine, der Polizei und öffentlichen Institutionen; um Notfälle, Fahrten zu Tierkliniken mit unseren oder frisch geretteten Tieren; um die Behandlung bei schweren Verletzungen oder die homöopathischen, von Tierärzten verschriebenen Anwendungen; um die nächtlichen Koliken und die sterbenden Tiere; und schliesslich um diesen Blog, die Facebooknachrichten und Anfragen – dies letztere von eins bis drei in der Frühe, ergänzt durch die Beantwortung von Anfragen zum Wohlergehen von Tieren jeder Art und aus ganz Spanien.

Luciano helfen die 11 Freiwilligen und jemand für die Wochenenden für Fütterung, Wasser und Stallsäubern, und vielleicht noch Leute, die spontan auftauchen.
Die Leute, die mir helfen – alle diejenigen, die das in sporadischer Form tun, davon gibt es eine Menge und sie sind sehr gute Menschen, mögen sich jetzt nicht zurückgesetzt fühlen, ich berichte ja über den Alltag in der Herberge, sind:
BLOG 20160721 4Unser treuer J.C., der sich um unsere Facebookseite kümmert (ich schicke ihm nur die Inhalte, er hält mir den Rücken frei und meldet sich nur, wenn er meint, ich müsse etwas unbedingt wissen) und wunderbare Bilder der Tiere macht. Er hilft immer schnell und effektiv, obwohl er als Guardia Civil wenig Zeit hat.
Unser lieber J., der mir, wie niemand es sonst könnte, bei den Strafanzeigen hilft. Er arbeitet seit vielen Jahren als Angehöriger von SEPRONA (Naturschutzdienst der Guardia Civil) im Land (Comunidad Autónoma) Andalusien, was nicht einfach ist, und er macht das hervorragend.
Unser S., der zwei Pferde von uns übernommen hat und der mich bei vielen Fragen berät und sich der Übersetzungen ins Deutsche annimmt.
Und María, diese ganz besondere Person, die sich um Twitter kümmert.
So weit meine Mitarbeiter.
Luciano arbeitet 8 Stunden an 5 Tagen in der Woche, ohne auch nur eine Sekunde Pause, und ich arbeite 15 Stunden täglich, sieben Tage in der Woche. Und das schon seit 17 Jahren, wer hält das für möglich ?

Wie Ihr seht, beziehe ich mich in diesen Zeilen auf die physische, d.h. praktische Hilfe – sie ist nicht jeden Tag da und auch nicht immer umsonst. Im vorigen Blog sagte ich, ich wisse nicht, wie meine Schwester es schafft, die Asociación am Laufen zu halten. Wenn ich es mir überlege, weiss ich auch nicht, wie wir die Herberge schaffen. Denn wie ich schon letztes Mal sagte, haben wir beim Bau des Hauses mit dem Dach angefangen. Wenn wir, statt sofort auf die vielen Notfälle zu reagieren, statt Tiere in desperatem Zustand zu übernehmen und ohne Rücksicht auf die Kosten ihr Leben zu retten, wenn wir statt Tierquäler anzuzeigen, damit sie Tieren keinen weiteren Schaden zufügen können, und damit die öffentlichen Stellen zum Handeln zu zwingen, erstmal Werbung für unser Anliegen gemacht, alle Leute, die uns über den Weg liefen, umschmeichelt, hübsche Tiergeschichten mit glücklichem Ausgang erzählt, alle Angebote von Paten für die Tiere umgehend beantwortet und Wohltätigkeitsveranstaltungen organisiert hätten – es ginge uns jetzt besser. Auf jeden Fall uns selbst – wie es dann um die Tiere stünde, steht auf einem anderen Blatt..

Auch mit all der Arbeit, die wir investieren, würden wir die Aufgabe nicht schaffen, wenn wir nicht Monat für Monat Spenden bekämen, so klein sie auch immer BLOG 20160721 5_DxO sein mögen. Manchmal denke ich an die Zahl unserer Follower in Facebook: fast 5000: Wenn all diese Follower sich dem Teamerprojekt anschlössen – das kostet sie einen Euro pro Monat – würde sich unser Leben und das der Tiere, sowohl derer, die jetzt bei uns sind, als auch derer, die in Zukunft noch kommen werden, fundamental ändern.
In meinem nächsten Blog werde ich Euch ein paar Zahlen über Spenden, das Teamerprojekt, Rechnungen etc. präsentieren, damit ihr Euch ein besseres Bild machen könnt. – die Geschichte von der wunderbaren Brotvermehrung ist nichts dagegen ! Wenn wir Kurse über die Methoden des Sparens und der Nutzung von Ressourcen abhielten, ich glaube, wir würden uns eine goldene Nase verdienen.

Dank an alle, die zur Fortsetzung unserer Arbeit beitragen. Ich erwähne hier niemanden namentlich, das wäre nicht recht. Wir sind dankbar für jeden Cent und jedes bisschen Material, das zu uns gelangt.
In meinem nächsten Blog werde ich an praktischen Beispielen darstellen, wie unsere Antwort auf die Frage aussieht: “Wie schafft Ihr es zu überleben ?”
Verzeiht, wenn wir oft Euren Erwartungen nicht entsprechen. Wir versuchen alles, wenigstens die Erwartungen der Tiere zu erfüllen. Und wenn wir uns manchmal zwischen Euch und den Tieren entscheiden müssen … ich hoffe, es stört Euch nicht allzu sehr, wenn diese dabei gewinnen.
Gott sei mit Euch !

 

concordia cyd