Die Effektivitätsfalle, 1. Teil: Der Verein

Immer mehr Menschen kennen uns, sei es aus den Medien oder den sozialen Netzwerken. Diese grossherzigen Leute helfen uns auf vielfältige Weise und interessieren sich für unsere Arbeit, doch hat die grosse Mehrheit von ihnen noch nie einen Fuss in unsere Herberge gesetzt, noch wissen sie aus erster Hand, womit wir uns beschäftigen und wer und wieviele wir sind. Für all diese Menschen schreibe ich diesen Blog.

Den Verein CYD Santa María BLOG 20160629 1 schmeisst meine Schwester Virginia praktisch allein. Manchmal kommt eine Person guten Willens und hilft ihr in kleinen Dingen – mein Dank allen, die das machen ! – doch letztendlich hängt alles an ihr, sie badet sogar die Fehler anderer aus. Man muss schon ein bisschen verrückt sein, sein Leben Tieren zu widmen und ihnen alles zu geben, was man hat, einschliesslich seiner Gesundheit. Damit will ich mich nicht beklagen oder beweihräuchern, keineswegs, denn ich selbst würde bis zu meinem letzten Stündchen nichts anderes tun. Nachdem ich so lange mit und für so wunderbare Lebewesen gearbeitet habe, erscheint mir alles andere langweilig. Wenn ich also nicht vorher von der Erde verschwinde, dann spätestens, wenn das letzte von ihnen dahinscheidet.

Meine Schwester Virginia führt, ohne zu murren, die Bücher des Vereins, zahlt die Lieferanten, hält die Paten auf dem Laufenden, macht die Öffentlichkeitsarbeit bei jeder unserer Verhandlungen bei Gericht oder bei grossen Rettungsaktionen und kümmert sich um die freiwilligen Mitarbeiter, die Webseite, treibt Geld auf, zahlt Rechnungen für die Herberge und den Verein (Stadtverwaltung,  Freiwillige,  die Webseite, Elektrizität, Telefon etc.), verwaltet das von Paten eingehende Geld. Dazu kommen Sonderprobleme, z.B. diejenigen, die mit der Umstellung auf das SEPA-Zahlungssystem auf uns eingeprasselt sind und welche die Banken zur Installation neuer Programme gezwungen haben – durch die ausbleibenden Überweisungen haben wir viel Geld verloren, die Leute, die damit zu tun hatten, wissen, wovon ich spreche. Und dann Virginias Pferd, das wir bei CYD adoptiert haben, weil es nieman BLOG 20160629 2d anders wegen seiner Aggressivität bändigen konnte. Und mehr: unsere alten Eltern, unser Haus, die nervende Schwester Concordia (also ich) mit ihren Anzeigen von Tiermisshandlungen, und schliesslich noch solche Kleinigkeiten wie schlafen und essen müssen und was es sonst noch an Notwendigkeiten gibt. Bei all dem hilft manchmal der Direktor unserer Bank – danke, Rufino ! – , eine persönliche Freundin – danke Andrea ! -, ein freiwilliger Mitarbeiter der Herberge, der sich in der Freizeit um die Webseite kümmert – danke Peter ! – und unsere Gestores, die nicht nur mit den Sachproblemen, sondern auch noch mit unseren Tränen fertigwerden müssen – das ist kein Witz ! – danke Santiago und Paloma !

Das wäre es wohl. Ich kann niemand vergessen haben, denn in der täglichen Arbeit meiner Schwester gibt es nur sie allein. (Eigentlich müsste ein Psychiater her, aber das ginge zu weit). Wenn eine Bibliotheksmaus 14 Stunden am Tag hülfe, könnten wir alles vielleicht schaffen.

Bleibt von dem zu berichten, was wir für unser “Image” tun: dafür sorgen, dass alle happy sind, wenigstens die meiste Zeit und so lange wie möglich, unzählige Stunden uns am Telefon Vorschläge anhören, die wir immer selbst, nicht der Ideengeber, realisieren sollen, tausend persönliche Dankesworte am Tag für alle, die den Tieren helfen (meine Schwester bedankt sich für einen Euro genauso wie für zweitausend), mit destruktiver Kritik von Personen fertigwerden, die sich einen Partner, nämlich einen Psychologen, suchen sollten. Virginia hält Kontakt zu den Freiwlligen und den Besuchern der Herberge – wenn ich das täte, würden alle spätestens nach einer halben Stunde wegrennen – , sie aber macht mit allen in Liebe und Geduld dreistündige Touren durch die Herberge. BLOG 20160629 3

Von 50 Personen meldet sich jedoch höchstens eine für Freiwilligenarbeit oder die Übernahme einer Patenschaft. Das heisst, um von den meist 5-6 köpfigen Besuchergruppen eine Person zur Mitarbeit zu gewinnen – ungewiss, wie lange sie aushält -, muss sie 10 Führungen machen, d.h. 30 Stunden Überzeugungsarbeit leisten. All diese Arbeit wird aber fast jeden Tag durch Notfälle in der Herberge unterbrochen. Kranke Tiere brauchen 24 Stunden Betreuung und für die müssen Aufsicht, Tierarztbesuche, manchmal auch Begräbnisse organisiert werden. Oder Concordia bricht zusammen und muss mit einer Ambulanz weggefahren werden (ist schon dreimal passiert). Hinzu kommen Zeugenaussagen vor Gericht, die persönliche Übergabe von Anzeigen, wenn ich nicht kann, Inspektionen bei Familien, die Tiere übernommen haben oder übernehmen wollen, Einsammeln von gespendeten Decken und anderem Material in Malaga … und dann geht alles wieder von vorn los. Die Herberge und ihre Bewohner leben auf Kosten der Lebenskraft meiner Schwester Virginia.

Aber es war unsere eigene Schuld: statt erst die finanzielle Basis zu schaffen, bevor wir anfingen, Leben zu retten, haben wir es umgekehrt gemacht – darauf bezieht sich der Titel dieses Blogs. Aber was können unsere Tiere dafür ? Oder die tausende Tiere – ja, tausende, nicht hunderte, ich weiss es genau – die wir im Laufe so vieler Jahre gerettet haben ?

So geht es also im Verein CYD Santa María zu. Im nächsten Blog erzähle ich von der Herberge und ihrer Verbindung zum Verein, d.h. es geht um Freiwillige, Paten, Spenden, Facebook etc. Da werdet Ihr Spass haben ! Mehr werden wir über uns selbst nicht reden, doch ich glaubte, Ihr müsstet mal ein bisschen über das Innenleben des sogenannten CYD Santa María wissen.

Zum Schluss möchte ich, Concordia Márquez, meiner Schwester Virginia von Herzen für ihre selbstlose Arbeit und die Liebe danken, die sie unseren Tieren und allen Menschen, sogar denen, die nicht unsere Freunde sind, zukommen lässt – es liegt in ihrer Natur, die arme kann nicht anders.

Danke Schwester ! In meinem Namen und in dem Deines Vereins !

concordia cyd