Wollen Sie ein Pferd aufnehmen oder mich verulken ?

Ich weiss, der Titel klingt seltsam, aber Ihr werdet ihn bald verstehen: BLOG 20160314 1

Unser Verein hat klare Regeln bezüglich der Voraussetzungen und Bedingungen für die Aufnahme eines unserer Tiere. Auf unserer Webseite gibt es erklärende Texte und Aufnahmeformulare, es gibt den Wortlaut des Aufnahmevertrages und an mehreren Stellen auch Hinweise auf die in unserem Land geltenden Gesetze zum Schutz und zur Haltung von Tieren.

Wie immer … all das scheint verlorene Müh’ !

Wir bekommen täglich Anfragen und Formulare mit Fragen und Bemerkungen wie diese: BLOG 20160314 2

1. “… und wenn ich [das Pferd] nicht mehr reiten kann oder es nicht mehr haben will, kann ich es dann verkaufen oder in den Schlachthof bringen, damit ich etwas von dem Geld wieder reinbekomme, das ich für seine Unterhaltung ausgegeben habe ?”

2. “Ich möchte ein Pferd, um es gern zu haben. Es muss aber jung, gut dressiert und  ruhig sein, mit 1,70 m Stockmass und wenn möglich reinrassig und schwarz, das ist meine Lieblingsfarbe.”

3. “Wenn ich ein Pferd von Ihnen übernehme, zahlen Sie dann den Transport bis zu meinem Haus, seine Ernährung und die übrigen Haltungskosten, während es sich bei mir befindet ?”

4. “Ich habe ein Landgut und möchte ein Paar Pferde, damit sie das Gras kurz halten. Ich würde alle zwei oder drei Wochen nachschauen, wie es ihnen geht. Im Sommer würden die Pferde an Sie zurückgehen, denn dann brauche ich sie ja auf meinem Grund nicht.”

(Keins dieser Beispiele ist erfunden.)

Da frage ich mich BLOG 20160314 3: “Seh’ ich gerade einen Fernsehfilm mit versteckter Kamera, oder was ?”
Doch dann komme ich zu mir und überlege mir das Schicksal von Pferden, die aus Schutzhöfen abgegeben werden, ohne dass die Geber Fragen stellen oder später nachsehen, wie es den Tieren geht.  Oder das gleiche bei Pferden, die verschenkt werden oder sogar bei manchen, die von lizenzierten Händlern erworben wurden. Anhand der Zahl dieser Tiere können wir abschätzen, wie viele sonst in miserablen Bedingungen leben oder ausgesetzt sind.

Dass die Behandlung von Tieren eine Frage der Erziehung ihrer Halter ist, sagt jeder. Aber …. welche Art Erziehung sollte das sein ?

Wenn einer einen Nobelpreis hat, heisst das nicht, dass er – zum Beispiel – Auto fahren kann. Was also sollen wir von den Leuten verlangen, die ihr Leben mit einem Tier teilen und für es sorgen wollen – ein bestimmtes Mindesteinkommen, Universitätsabschluss, ein Gutachten über ihren Gemütszustand ? Wäre es nicht logisch, von denjenigen, die ein lebendes Wesen in ihre Familie aufnehmen wollen, die Teilnahme an einem Vorbereitungskurs mit Examen zu verlangen ?

Damit, so denke ich manchmal, könnten Missbrauch,  Aussetzung und Leid von Tieren, die mit Menschen zusammenleben, verhindert werden. Erstens, weil jeder Tierhalter eindeutig identifiziert und registriert wäre, und zweitens weil niemand, der sich nicht wirklich für ein Tier interessiert, seine Zeit und sein Geld in einen solchen obligatorischen Kurs und/oder eine solche Prüfung investieren würde.

BLOG 20160314 4Das gilt auch für diejenigen, die, obwohl besten Willens, auf die Dauer nicht über die genügenden Mittel oder die genügende Zeit für die Haltung von Tieren verfügen.

Ich selbst habe kaum Zeit, noch nicht einmal genügend Zeit zum Schlafen, darum frage ich:

Entschliesst sich irgend jemand, der diesen Blog liest, einen entsprechenden Gesetzesvorschlag auszuarbeiten ?

Bitte, ich lasse mich so gern von etwas Gutem überraschen !

concordia cyd